Das seit 2004 an den Rand der Stadt verbannte Kunsthaus in der Lameystraße 6 schließt zum 30.6. Damit werden mehrere Abteilungen der Bildenden Kunst in der Stadt obdachlos.

Die städtische Galerie verliert den Raum im Parterre, die traditionsreiche Freiburger Künstlerwerkstatt im 1. OG steht vor dem Aus, 15 Atelierräume stehen vor der Auflösung, und die meisten Künstler:innen müssen neue Plätze suchen. 9 Proberäume für 20 Bands werden geschlossen, und es gibt keine sofortige Anschlussmöglichkeit für die weitere Unterbringung. Allein das städtische Gastatelier ist in der Villa Mitscherlich untergekommen. Gut so!

Nach dem Aus der berühmten Freiburger Mehlwaage in der Innenstadt 2004, die den Kürzungswellen der Stadt für einen lächerlichen Preis zum Opfer fiel, war das Kunsthaus L6 ein Ort der Kunst in ihren verschiedenen Ausformungen: Ausstellungen, Performances, Vorträge und Künstler:innen-Treffen gestalteten den Kunstort in Zähringen für ein leider begrenztes Publikum. Die kuratierte städtische Galerie und die im Team geleitete Künstlerwerkstatt sind im Dreiländereck vernetzt und beteiligten sich an diversen künstlerischen Projekten.

Nur gut, dass die Kulturverwaltung nun ein Objekt gefunden hat, in dem die städtische Galerie auf Dauer untergebracht werden kann und welches eine deutliche Verbesserung des Raumangebots darstellt. Die Morat-Hallen können dank einer großzügigen Spende durch die Stadt gekauft werden, und wir hoffen auf eine schnelle und reibungslose Planung und Umsetzung. Die Künstlerwerkstatt hingegen wird nicht in den Umzug einbezogen und muss sich neu orientieren. Mit Hilfe des Kulturamtes wird nun ein neuer Standort ausgespäht, und wir hoffen sehr, dass es da zu positiven Verhandlungsergebnissen kommt. Das wird nicht ohne finanziellen Einsatz der Stadt gehen. Die Musik-Proberäume im Keller bekommen erst im Sommer 2025 neue Modul-Räume auf dem Gelände der Edith-Stein-Schule am Eschholzpark als Übergangslösung. Ein Jahr Pause für die Bands, wie soll das gehen? Die wegfallenden Ateliers vergrößern die Raumnot für Künstler:innen in der Stadt; da ist keine Linderung in Sicht.

Wer sich über Nachhaltigkeit und Kulturförderung Gedanken macht, sollte erst einmal die grundsätzlichen Aufgaben von Kunst- und Kulturförderung in den Fokus stellen. Die Übernahme der Morat-Hallen ist prima, doch das Betreiber:innen-Konzept wird erst noch erstellt! (Atai Keller)