Rede im Gemeinderat – Straßenmusik

30.06.2020
Von Atai Keller

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, 
liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Zuhörerschaft,

ein Merkblatt für Straßenkunst und Straßenmusik aus den 80er Jahrern, seit 2004 nicht mehr verändert und nicht mehr  öffentlich diskutiert, gehört nun mal dringend erneuert, so hatte es sich der Verein Multicore auch auf seine musikalischen Fahnen geschrieben. Ein großer Dank sei hiermit an die Multicore-Mitglieder ausgesprochen für die geleistete Vorarbeit zur neuen Regelung. Dass man dem neuen  Vollzugsdienst dabei wenig Angriffsfläche bieten wollte, versteht sich von selbst. Keine Überwachung und keine Überbürokratisierung des offenen Musiklebens in Freiburgs Gassen. Dazu braucht es aber auch einen mehrheitlich verständigen Gemeinderat und auch Gemeinderäte und Rätinnen, die ins Detail gehen wollen und gegangen sind.

Der nun ausgehandelte Kompromiss und der Antrag der hoffentlich mehrheitlich angenommen wird, lassen eine gut bespielbare Straßenkunst in Freiburgs Innenstadt entstehen, in der die Kunst und die Musik  vermehrt und in größerer Vielfalt möglich sind, mit Ruhezeiten und gewissen Beschränkungen, in der aber auch der offene Charakter der Stadt als Kulturstadt mit Herz und Tradition deutlich zutage tritt. Lange haben wir noch hinter den Kulissen um Formulierungen gerungen und um Detailbestimmungen, die jetzt letztlich in einen klaren Antrag münden. Wichtig waren uns dabei, die vermehrte Spieldauer, die Erweiterung der Spielmöglichkeiten, die möglichst offene Wahl der Instrumente, die offene Wiederwahl der Orte, aber auch die Verträglichkeit mit der Freiburger Geschäftswelt, mit den Gaststätten und den Büros und Praxen in der Innenstadt. Nur so kommt es zu einem friedlich kulturellen Miteinander, welches eine offene Stadt kennzeichnet. Die Verwaltung und das Amt für öffentliche Ordnung haben dabei einen verlässlichen Part gespielt, auch wenn wir noch an einigen Stellen nachjustieren werden. Anke Wiedemann hat die Einzelheiten ja in ihrem Beitrag schon sehr gut dargestellt.

Ich persönlich hätte nichts gegen eine Woche des Straßen- und Musiktheaters in Freiburg, in dem die Innenstadt sich zu einer einzigen theatralen und tanzenden Szenerie verwandelt wie in manchen französischen Städten, siehe Aurillac oder Chalon sur Saone, aber wir wollen ja nichts überstürzen.

Was die Universität angeht, können wir nur hoffen, dass die neue Rektorin eine etwas andere Einstellung zu kultureller Umtriebigkeit auf Freiburgs Straßen hat als der scheidende Rektor, vor allem in Zeiten des Umbaus des KG II. Wir fordern den Kulturbürgermeister weiterhin auf, den Dialog mit der neuen Rektorin zu suchen und noch eine Spielzone auf dem Platz der alten Synagoge in der Umbauzeit zu erreichen.

Ansonsten begrüßen wir ausdrücklich, dass die Straßenmusiker und Künstlerinnen nun einen Verein gegründet haben, um ihre Interessen zukünftig selbst wahr zu nehmen und wir hoffen, dass die Kunst in der Stadt weiter auf die Straßen, Wege und in die Gassen kommt, manch einer hat so angefangen und den Weg damit auch ins Studio sich ermöglicht. Eine lebendige offene Stadt misst sich nicht zuletzt auch an ihrem Umgang mit der Straßenkunstszene. 

Atai Keller

Rede im Gemeinderat – Kreativwirtschaft

30.06.2020
Von Atai Keller

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, 
liebe Kolleginnen und Kollegen, 

es ist eine umfangreiche und lesenswerte Vorlage, welche die FWTM hier entwickelt und vorgelegt hat. Ich möchte allen Beteiligten sehr danken vor allem Frau Böhme und ihrem Team, gibt sie, die Vorlage, doch einen umfassenden Einblick in die kulturrelevanten Aktivitäten der FWTM als städtische Tochter und damit einen Überblick in die Weiterentwicklung der Kultur- und Kreativwirtschaft in der Stadt. Gleichzeitig zeigt die Vorlage aber auch auf, wie vernetzt und verbunden die FWTM inzwischen mit kulturpolitischen Entwicklungen ist. Wer einmal in der Lokhalle war und die eigenwillige Atmosphäre zwischen Industrie, Denkmal und Aufbruch inhalieren konnte, weiß, dass dort ein neuer Geist zwischen Containern und Bahngetöse umhergeht und man kann ahnen, warum die Gesellschaft die Kreativen braucht. Joseph Beuys hat einmal gesagt: ARBEITE NUR, WENN DU DAS GEFÜHL HAST, ES LÖST EINE REVOLUTION AUS! 

Ich möchte hiermit nun nicht die Mehrzahl der Anwesenden zum Müßiggang anleiten, aber ich möchte damit betonen, dass Künstler/innen und Kreative für eine Gesellschaft nicht weniger wichtig sind wie die Reisebranche oder Bäcker oder Hotellerie und warum eine Gesellschaft die Kultur-und Kreativwirtschaft ebenso braucht wie die  Nahrungs- und Mobilitätsbranche. Doch gerade die Visionäre, die Künstler und Querdenker sind aktuell von der Corona-Kriese bedroht und ihre Systemrelevanz wird von vielen angezweifelt. Staatliche Hilfen sind nur schleppend angelaufen und noch lange nicht bei allen Betroffenen  angekommen. Deswegen sollte sich auch die Stadt einer Information über den Zustand des Szene und eventuellen Hilfefonds nicht verschließen.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, im November 2019 gab es in Berlin das erste Forum Kultur-und Kreativwirtschaft, auf dem die bundesrepublikanische Kreativszene auf VertreterInnen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft traf, um die Innovationskraft der Branche sowie ihren gesellschaftlichen Beitrag zu verdeutlichen. Und der ist inzwischen erheblich! Dort wurden auch 32 Kultur-und Kreativ-Schaffende mit dem Titel „Kultur-und Kreativ-Piloten „ ausgezeichnet. Das alles ist nach zu lesen im Monitoringbericht 2019 „Kultur und Kreativwirtschaft“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie. 

Und da wäre ich nun bei den Freiburger Kreativ-Pionieren, von denen kein Wort in der Vorlage steht. Die sind zwar noch nicht ausgezeichnet, aber sie versuchen seit etlichen Jahren in der Stadt neben der Lokhalle ein ganzes Gebiet zum Kreativ-Quartier zu erheben, – bis jetzt mit wenig Erfolg, aber jüngst konnte man einer Meldung der Badischen Zeitung entnehmen, dass das Stadtplanungsamt nun ein blaues Band der Kreativität durch den Schildacker ausgerufen hat, und damit endlich ein ganzes Kreativ-Quartier entsteht. Der Stadt mit der FWTM stünde ein ganzes Quartier wie in anderen Städten längst entstanden gut an, es wäre ein großer Schritt, doch die ersten Dementis sind schon erfolgt. 

Dennoch: Wir sind auf dem richtigen Weg, liebe Kolleginnen und Kollegen, Kultur ist systemrelevant, und das nicht erst seit Corona! Wir müssen weiter in die  Kultur- und Kreativwirtschaft investieren und neue Förderprogramme entwickeln. Die in der Vorlage aufgezeigten Maßnahmen sind wichtig und richtig: Hilfe zur Vernetzung, Bereitstellung von Infrastruktur, Sichtbarkeit zur Milieu-Bildung, Hilfe bei Gründung von Zentren und Pools, Unterstützung bei Zwischennutzung von Räumen, Auflistung von Leerstand, die Bereitstellung von Freiflächen im öffentlichen Raum, Förderung und Erhaltung der urbanen Pop und Clubkultur, Stärkung von Spielstätten als Treff- und Begegnungsräume, Freiburg als Filmstandort stärken, Schärfung des Freiburg-Bildes, Vereinfachung von Genehmigungsverfahren. Ich kann somit die  aktuellen Rede-Beiträge von Timothy Simms und Lina Wiemer-Cialowicz gut heißen. 

Manchmal sieht die Praxis dann eben doch anders aus: Ich erinnere an die unrühmliche Geschichte der Black-Forest-Studios in der Stadthalle, wo war da die FWTM mit ihrer Unterstützung? Eine weitere unrühmliche Geschichte ist die des Freiburger Musikzentrums auf dem Güterbahngelände, die vielleicht jetzt einen halbguten Ausgang in der Karlsruher Straße findet, aber von Zentrum kann da ja wohl nicht die Rede sein. Oder das jüngste Beispiel mit den Mieten im Konzerthaus für die Konzertveranstalter, die gehören natürlich gesenkt in diesen Zeiten!

Ein letztes Wort zum Tourismuskonzept und den vorgeschlagenen richtigen Maßnahmen im Handlungsfeld Kultur. Freiburg wartet seit Jahren auf die Kennzeichnung der Kunstwerke im öffentlichen Raum nach Künstler/in und Schaffensjahr. Ist das so schwierig?.

 Atai Keller

Offener Brief an den Oberbürgermeister der Stadt Freiburg

Betrifft: Bitte um Verschiebung der Antragsfrist für die Kulturanträge 2021/22CORONA-KRISE

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

die Kulturliste Freiburg mahnt dringend an und fordert, dass die Stadtverwaltung und Sie, sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, wegen der Auswirkungen der Corona-Krise die Antragsfrist für die Abgabe der Antragstellungen von Zuschussempfängern im Kulturbereich vom 24.4., also heute in einer Woche, um einen Monat verschieben auf Montag, den 25.5.

Viele Kulturschaffende haben sich inzwischen beim Vorstand der Kulturliste gemeldet und erklärt, noch sei völlig unklar, welche Auswirkungen die Corona-Krise und die Quarantänebestimmungen auf die nächsten beiden Haushaltsjahre bei ihnen habe, sie hätten teilweise noch keine Unterstützung bekommen und bräuchten mehr Zeit. Auch ist eine Wiederöffnung von Spielstätten, Kunsthäusern und Theatern, aber auch Musikeinrichtungen und Clubs bis heute völlig ungeklärt. Die großen Festivals wurden jetzt gerade erst abgesagt. Auch die Jubiläumsveranstaltungen wurden erst vor zwei Tagen abgesagt bis September.Die Situation unter den Kulturschaffenden in Freiburg ist angespannt bis verzweifelt, bei vielen Künstlerinnen und Künstlern sind die Hilfsprogramme aus verschiedensten Gründen noch nicht angekommen. Ein Aufschub der Antragsfrist gibt die Möglichkeit, die eigenen Anträge der jeweiligen Situation besser anzupassen. Die Frage ist sowieso, wie die Corona-Krise sich auf die Haushaltsberatungen der Stadt niederschlagen wird und ob der Zeitplan eingehalten werden kann. Unabhängig davon wird sich die Kulturszene natürlich an freiwilligen und unbezahlten Kunst-Aktionen und Interventionen im Internet weiter mit ihren Mitteln beteiligen.

Herzliche Grüße

Für den Vorstand
Barbara Kleiber, Celia Brown, Christine Sander, Jörg Scharpff, Christoph Schneider, Michael Ott, Steffen Rümpler, Atai Keller

Präambel: Kultur als zentrale Aufgabe

Orte, Situationen, Menschen – wo sich Kultur ereignet, geschieht interkulturelle Begegnung und demokratische Auseinandersetzung. Politik geht nicht ohne Kulturpolitik. Wenn nahezu alle Lebensbereiche auf ihre ‘Kulturverträglichkeit’ täglich neu zu prüfen sind, bedarf es gesellschaftlicher Kräfte, die dies gewährleisten und stetig anmahnen.

Kunstfreiheit gilt als zentraler Wert. Sie erlaubt keine Verengung des Kulturbegriffs durch nationalistische oder autoritäre Bewegungen: Kultur macht nicht an Grenzen halt. Wenn wir über die Zukunft unserer Stadt, Europas oder der Erde insgesamt skeptisch nachdenken müssen – und auch wirklich danach handeln –, ist das eine heute unverzichtbare Sache. Ökologie und Umweltverträglichkeit sind längst kulturelle Themen geworden. In Zeiten der Landflucht und des Booms der Großstädte muss Wachstum qualitativ und sozial verstanden werden und darf sich nicht an rein ökonomischen Interessen orientieren.

KULT meint: Es muss selbstverständlich sein, dass alle Mitglieder der Stadtgesellschaft ihre neue Heimat finden können. Tragfähige Konzepte des Zusammen-Lebens von Menschen unterschiedlicher Herkunft, Religionen und Ethnien zu entwickeln, das gehört zum kulturpolitischen Einmaleins eines Einwanderungslandes, an jedem Ort und in jeder Stadt. In einer Situation, wo in Europa, aber auch in Deutschland an den politischen Rändern Unruhe geschürt wird und Alleingänge statt solidarischem Handeln an den Tag treten, wird Kultur umso wichtiger.

KULT sagt: Eine umfassende Kulturelle Bildung aller Bevölkerungsteile schafft erst die Voraussetzungen für waches, kritisches Gestalten dieser komplexen Lebensaufgaben. Kultur ermöglicht den Zusammenhalt, sie ist der Garant unserer demokratischen Gesellschaft – heute mehr denn je. Das ist unsere Vision! Dafür steht die Kulturliste in Freiburg seit nunmehr 15 Jahren ein!

Wahlprogramm 2019: Kulturkonzept, Stadtjubiläum, Kreativwirtschaft

Der Gemeinderat hat vor 10 Jahren nach einem intensiven Beteiligungsverfahren ein Kulturkonzept verabschiedet, in dem Leitlinien für eine städtische Entwicklung formuliert sind. Gleichzeitig hat die damalige Stadtspitze die Bestrebungen zunichte gemacht, durch eine Bewerbung zur Kulturhauptstadt Europas 2025 der Stadt einen neuen kulturellen Schub zu geben und die trinationale Lage Freiburgs kulturpolitisch ins Zentrum zu rücken. Bis heute wurde vom zuständigen Dezernat keine Evaluierung des Kulturkonzeptes vorgenommen. Stattdessen müssen die städtischen Ämter sich allesamt mit dem Freiburger Stadtjubiläum beschäftigen.

KULT sagt: Kulturpolitik kann neue Räume schaffen. Reale Räume und Räume im Kopf. Vielfalt und Diversität brauchen neue Modelle und den größtmöglichen Zugang zu Kunst und Kultur.

KULT fordert: Die „Kulturstadt Freiburg“ muss als Markenzeichen entwickelt werden. Kultur als Summe aller Lebensäußerungen und als Inbegriff eines sozialen und ökologisch bewussten Zusammenlebens ist gerade in der heutigen Zeit des neuen Rechtspopulismus eine unverzichtbare identitätsstiftende Größe.

Das Stadtjubiläum als „Fest von Freiburgern/innen für Freiburger/innen“ ist zu klein geraten. Wir hätten uns gewünscht, dass ein kuratiertes Modell die Richtung und ein für die Stadt zukunftsweisendes Motto vorgegeben hätte. Dass beides nun schmerzlich vermisst wird, hat der gesamte Gemeinderat gegen unsere Stimmen zu verantworten.

Ein Tourismuskonzept ist kürzlich mit ersten Maßnahmen verabschiedet worden. Die Finanzierung soll aus der sogenannten Bettensteuer genommen werden, deren Erhebung juristisch immer noch nicht entschieden ist. Die Orientierung darf nicht heißen: immer mehr Touristen in die Stadt. Vielmehr bedarf es einer vernünftigen Dosierung, die die Bedürfnisse der BürgerInnen nicht hintanstellt.

KULT sagt: Es darf keinen „Schattenhaushalt“ bei der FWTM für touristische Maßnahmen geben, die massiv in das kulturelle Leben der Stadt eingreifen.

KULT fordert eine klar definierte „Kulturabgabe“. Die erzielten Einnahmen sollen im Haushalt der Stadt für die Maßnahmen im Zusammenhang des Kultur-Tourismus und der Werbung für Kunst und Kultur eingesetzt werden.

Kultur ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Die Freiburg Wirtschaft Touristik und Messe (FWTM) muss Kultur in ihre Werbung und Förderung einbeziehen. Kulturamt und FWTM sind dabei, sich über gemeinsame Ziele neu zu verzahnen. Die Kreativwirtschaft und ihre Start-Up-Unternehmen in der Lokhalle sind ein erster Schritt auf einem guten Weg und müssen weiterentwickelt werden.

KULT fordert eine Fortsetzung der Förderung für Unternehmen nach ihrer Start-Up-Phase sowie endlich eine systematische Erschließung des Schildacker-Quartiers als neuer Standort für die Kreativ- und Kulturwirtschaft.

Wahlprogramm 2019: Musik

Freiburg ist die Sitzstadt von zwei Ensembles mit Weltruf: das Freiburger Barockorchester und das Ensemble Recherche. Beide Klangkörper sind vereint im Ensemble-Haus als ihrer gemeinsamen Probe- und Spielstätte. Weitere Ensembles und Gruppen bereichern als unverzichtbarer Bestandteil das Musikleben der Stadt (ensemble aventure u.a.). Das Netzwerk Mehrklang und das Experimentalstudio des SWR sind musikalische Botschafter der Neuen Musik. Der Aufgabe Freiburgs als Sitz des SWR-Sinfonieorchesters bleibt schmerzlich. Unsere Chorszene ist vielfältig und besonders. Einige Chöre konnten nun in eine Dauerförderung aufgenommen werden, was wir sehr unterstützt haben. Die Förderung von innovativen musikalischen Projekten muss ebenso berücksichtigt werden wie die musikalische Breite. Die Musizierenden und Musikpädagogen benötigen Übungs- und Spielräume.

Die Forderung nach einem Probehaus für die Rockmusik mit angeschlossenem Veranstaltungsraum unterstützen wir vorbehaltlos. Ein neuer Fonds zur finanziellen Unterstützung der Auftritte von Musikbands ist für uns wichtiger Bestandteil in der aktuellen Förderstruktur junger Musik.

KULT schlägt vor, eine Machbarkeitsstudie in 2020 für die Alte Stadthalle in Auftrag zu geben, in der eine kulturelle Nutzung eingehend geprüft werden soll.

KULT unterstützt die Clubszene mit ihren vielfältigen Musikrichtungen (wie Rock-, Pop-, Jazzmusik) in der Stadt. Dabei soll der Schwerpunkt auf der Schaffung von Räumen und auf die Vernetzung von Initiativen und Gruppen liegen. Subkulturelle Strukturen sollen erhalten bleiben.

Wahlprogramm 2019: Theater

Das Stadttheater Freiburg ist das Theaterzentrum der Stadt, die Freie Szene bildet inzwischen die zweite Säule der Theater- und Tanzstadt Freiburg und erlebt einen großen Publikumsboom. Das Drei-Spartenhaus als großer Tanker ist mit einer Zielvereinbarung für die nächsten Jahre abgesichert. Die verschiedenen Freien Theater mit ihren inzwischen teilweise etablierten Häusern und Spielstätten beweisen mit ihren thematischen Schwerpunkten eigene Originalität. Bewährte Kooperationen zwischen Freier Szene und Stadttheater machen die Theaterlandschaft zu einem Ort der künstlerischen Darstellung und gesellschaftlicher Fragestellungen. Darüber darf man nicht vergessen, dass 40 Freie Theater- und Tanzgruppen immer noch am unteren Rand der Kulturförderung stehen. Dennoch ist die jüngste einstimmige Entscheidung des Gemeinderats, alle Kulturzuschüsse um 2,5% jährlich anzuheben, ein bedeutender Schritt.

KULT meint: Die Freien Theater und der Tanzpakt Freiburg brauchen weitere Mittel und Aufführungsmöglichkeiten.

Wahlprogramm 2019: Literatur

Freiburg ist eine Stadt, die sich durch ein literatur-interessiertes Publikum auszeichnet. Seit den 1980er Jahren wurden vielfältige Impulse gesetzt – durch die Initiativen des Kulturamtes, des Theaters, des Literaturbüros, des Centre Culturel Français, des Carl-Schurz-Hauses, der Universität, der Stadtbücherei, des Vorderhauses, der Katholischen Akademie, ebenso einiger privat geführter Buchhandlungen. Auch die vielfältige hiesige Übersetzer/innen-Szene hat eine nationale Beachtung erreicht.

Hervorzuheben sind Formate wie das Freiburger Literaturgespräch, verschiedene internationale Autorentreffen, die Reihe Litera-Tour, Poetennächte, Lesung unter Sternen, Herdermer Sommer-Lesungen, Literatur und Psychoanalyse sowie das Kinderliteratur-Festival (Lirum-Larum-Lesefest) und die Jugendliteraturtage (Stories).

Im Herbst 2017 fand das Literaturhaus Freiburg mit seinem Team in der Alten Universität eine Heimat und hat seitdem die Literaturszene kräftig und innovativ angekurbelt. Ein vielfältiges Programm spricht auch neue Leser/innen an.

KULT setzt sich für den Erhalt und die weitere Förderung der bestehenden Literaturprojekte und der Autoren/innen und Übersetzer/innen-Szene ein.
KULT setzt sich für die weitere Entwicklung des Literaturhauses mit einem eigenen vielfältigen Gestaltungsraum ein.

Wahlprogramm 2019: Freie Kulturgruppen

Kunst und Kultur entfalten sich in Räumen. „Spielräume“ sind gerade auch für die Freien Gruppen das A und O.

KULT setzt sich dafür ein, dass das Raumangebot der Stadt für freie Kulturgruppen und Initiativen (Theater und Tanz, Musik und Soziokultur) weiter ausgebaut und bei der Entwicklung neuer Stadtteile und -quartiere gefördert wird.

Zur Vielfalt und zur Bereicherung der kulturellen Szene tragen die Freiburger Initiative Freier Theater und Tanz FiFFT, Multicore – Initiative für Live-Musik, der Verein Pop-FRequenz, das E-Werk, ArTik, KUBUS und die KTS ebenso bei wie die Kommode 1, der Slow-Club, das Kulturaggregat, die Fabrik, Mehrklang, die Initiative Chorstadt, Schwere(s)los, Kultur Leben e.V. und viele andere.

KULT setzt sich dafür ein, dass die freien kulturellen Netzwerke gefördert werden und die sich frei entfaltenden Initiativen und Clubs im Bestand gesichert werden.

Für jede Kunst-Sparte gibt es Förderfonds, die für alle Gruppen erreichbar sind, die keine Institution mit festem Haus vertreten. Was durch die Einrichtung und Erhöhung eines Förderfonds erreicht werden kann, hat vor allem in der letzten Zeit die Einrichtung eines eigenen Filmförderfonds gezeigt. Eine neue Gemeinschaft Freiburger Filmschaffender konnte durch die Anschubfinanzierung von Projekten eine spannende Film-Szenerie erschaffen und so für einen Aufschwung in der jungen Filmgestaltung in Freiburg sorgen.

KULT setzt sich auch weiterhin für eine Erhöhungen der spartenbezogenen städtischen Förderfonds für Freie Gruppen ein.

Wahlprogramm 2019: Bildende Kunst

Um das Interesse an der Bildenden Kunst zu erhalten und Kunstdebatten immer wieder neu anzuregen, bedarf es einer lebendigen KünstlerInnenszene. Die Außenstelle der Staatlichen Kunstakademie Karlsruhe, auch die Hochschule für Kunst, Design und populäre Musik (hKDM) hatten bisher durch ihre Studenten, die jedes Jahr immer wieder neu in die Stadt kommen, maßgeblich dazu beigetragen. Die Schließung der Akademie beschneidet nun diesen wichtigen Austausch und kreativen Impuls empfindlich.

KULT plädiert zum Ausgleich der Schließung der Freiburger Außenstelle der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste (Karlsruhe) dafür, die bestehenden Institutionen und Initiativen der bildenden Künste so zu stärken und zu fördern, dass sie Freiburg weiter für die Bildenden KünstlerInnen attraktiv halten können. Dazu gehört auch, einen neuen Nachwuchspreis (anstelle des bisherigen Akademiepreises) auszuloben.

Museen, Kunstverein und Ausstellungshäuser in Freiburg, internationale Kunststiftungen sowie private Galerien und Kunsträume sorgen mit ihren hochwertigen Programmen für eine facettenreiche Kunstlandschaft. KULT setzt sich für eine angemessene Finanzierung der öffentlichen Institutionen ein, den privaten Einrichtungen müssen geeignete Rahmenbedingungen gewährleistet sein.

Einige der Kunsthäuser Freiburgs sind seit Jahren notorisch unterbesetzt und leiden unter zu geringer finanzieller Ausstattung. KULT fordert endlich eine adäquate personelle Ausstattung.

Vereinzelte gemeinsame Workshops und temporäre Ausstellungsprojekte in den letzten Jahren demonstrierten das künstlerische Potential und die Anziehungskraft grenzüberschreitender Zusammenarbeit verschiedener europäischer Kunstszenen. KULT schlägt die Gründung eines trinationalen Akademiestandortes in Kooperation mit den Kunstakademien in Basel, Mulhouse und Strasbourg zur Profilierung des Kunstraums Oberrhein vor.

Akzeptable und günstige Arbeitsbedingungen wie Ateliers und Werkstätten zu finden, ist für bildende Künstlerinnen und Künstler zentrale Existenzgrundlage. Daran fehlt es in Freiburg nach wie vor. KULT fordert die Erweiterung der Raumangebote für bildende Künstlerinnen und Künstler.

Kreative und innovative Lebensentwürfe und Arbeitsmodelle müssen in Freiburg leichter zu verwirklichen sein. KULT setzt sich für eine insgesamt kunstfreundlichere, auch für angewandte Kunst wie Design und Mode offene Atmosphäre in der Stadt ein.

KULT fordert eine bessere Ausstattung von Fördertöpfen, die den Freiraum künstlerischen Arbeitens unterstützen, um z. B. Off-Spaces einzurichten und temporäre künstlerische Interventionen zu ermöglichen.