Rede zum Jahresauftakt der UL – 30.01.2013

Atai Keller anlässlich des Jahresauftaktes der UL am 30. Januar 2013

Weinschlösschen – Freiburg

Sehr geehrte versammelte Gäste, liebe Freundinnen und Freunde,

Walter Krögner hat es am letzten Sonntag beim Neujahrsempfang der SPD geschafft, die Anwesenden eine halbe Stunde lang zu begrüßen. Damit war der Freiburger Teil der Veranstaltung dann auch schon wieder beendet. Ich empfand das als eine interessante Variante der lokalpolitischen Rück- oder Vorschau einer Fraktion.

Wir machen das etwas anders:

Auch wenn der Oberbürgermeister in seiner Neujahrsrede nur vom Stadttheater und dem Augustinermuseum als Kulturgüter gesprochen hat und damit auf die zeitliche und inhaltliche Ebene von 1910 geraten ist, wo nämlich der Theaterbau am heutigen Standort entstanden ist, möchte ich gerne in die heutige Zeit weisen und daran erinnern, dass Freiburg nur als Stadt so interessant und beliebt ist, weil Kunst und Kultur in größter Vielfalt hier gewachsen und vorhanden sind in einzigartiger Weise und die Bürgerinnen und Bürger entsprechend Wert darauf legen.

Freiburger Bürgerinnen und Bürger bewiesen durch die Jahrhunderte eine bestimmte Art von Eigen-Sinn im wahrsten Sinne des Wortes, ob es nun der Bau des Freiburger Münsters im 12. Jhd. und 13. Jhd. war, oder die Vertreibung der Grafen von Freiburg, ob es die Gründung der Beurbarungs-Gesellschaften als erste genossenschaftliche Gründungen im 18 Jhd. oder die Lesegesellschaften der  48. Revolution in der Harmonie waren, oder die Turmbau-Ära unter dem Oberbürgermeister Winterer mit der selbsternannten „schönsten Stadt Deutschlands“.

Rede zur Ehrung für Altstadtrat Paul Bert

Lieber Paul, liebe Renate, liebe Familie Bert, sehr geehrter Herr Bürgermeister Haag,
liebe Geburtstagsgäste aus den verschiedenen Stationen des Jubilars,

die Badische Zeitung vom Mai 2009 zitiert in einem Artikel über 60 Jahre Lorettobad den damaligen Schüler des Melanchtonstiftes an der Mercystraße Paul Bert mit den Worten: „der Badeeintritt kostete im Jahre 1949 ganze 20 Pfennig, dafür hätte man auch zwei Bollen Eis bekommen“. Paul Bert ist seiner Umgebung treu geblieben. Auch heute geht er noch regelmäßig ins Lorettobad. Treue und Bodenhaftung sind Eigenschaften der Bert‘schen Mentalität, das Erhalten alter historischer Bezüge, Traditionen und Bausubstanzen ebenso. So haben sich mein Vater als Kreisdenkmalpfleger und Paul Bert als Stadtplaner in den 60er Jahren in den Phasen des Freiburger Wiederaufbaus und der Stadterneuerung kennengelernt, beim Ringen um den Wiederaufbau der Deutschordenskommende in der Salzstraße oder um den Erhalt des Schalenturms als einen der Freiburger Stadttürme auf dem Gelände des heutigen Solitärs, den nur noch wenige kennen werden, oder beim Aufbau der Konvikt- und der Grünwälderstraße. So war es mir persönlich eine besondere Freude mit dem Stadtplanungsmann, der immer in Sandalen auf dem Fahrrad an unserem Hause vorbeifuhr, eine Liste gründen zu dürfen.

Genehmigungspraxis bei Veranstaltungen und Demonstrationen

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
meine sehr verehrten Kolleginnen und Kollegen,

Es muss schon was dran sein, wenn der erste Bürgermeister Otto Neideck einen handfesten Streit mit der FWTM und ihrem Geschäftsführer Bernd Dallmann vom Zaune bricht, der zuletzt öffentlich über Presseerklärungen ausgetragen wurde. Da wird nun eine 12 Jahre alte Drucksache des Kulturausschusses der Stadt bemüht, in der wahrhaftig unter dem Stichwort „Veranstaltungsorganisation“ von einer neuen bis zu siebenköpfigen Veranstaltungsabteilung gesprochen wird, die wegen Unstimmigkeiten und Kompetenzverwirrung zwischen Kulturamt und damals noch FWT bei der Planung der Vorderösterreichausstellung im Jahre 2000 eingerichtet werden sollte. Jetzt frage ich mich, was hat eine Vorderösterreichausstellung mit Public Viewing, einer zentralen Abi-Fete, einem Schlossbergfest oder gar einem 1. Maifest auf der Wilhemstraße zu tun?

Literaturhaus in die Uni erst 2015/16

Atai Keller – für das Amtsblatt der Stadt Freiburg:

Literaturhaus in die Uni erst 2015/2016

Freiburg und die Literatur sind eine Erfolgsgeschichte. Seit den späten 8oer Jahren kümmert sich das Literaturforum Südwest um Lesungen, Austauschprojekte und die Förderung von Übersetzungen und Autorenschaften. Das mündete schon vor zwei Jahren in eine Grundsatzentscheidung des Gemeinderats, dem immer größer werdenden Publikum auch einen entsprechenden Rahmen mit neuen Kooperationsmöglichkeiten zu verschaffen. Ein Literaturhaus für Freiburg ist nun in greifbarer Nähe. Das ist dem unermüdlichen und kompetenten Einsatz der Leitung des jetzigen Büros zu verdanken, aber auch dem versierten Vorstand und nicht zuletzt auch dem neu gegründeteten Freundeskreis. Inzwischen sind fünf Angebote auf dem Tisch: Laut Gemeinderatsvorlage für den 22.5. sollen zwei Vorschläge übrig bleiben. Stadtverwaltung, Universitätsleitung und Literaturbüro haben sich bereits auf die Reihenfolge geeinigt.

SC-Stadion – Umbau – Ausbau – Neubau?

Rede zum Zweistufenplan SC-Stadion-Um-, Aus- oder Neubau in der Sitzung des Gemeinderats am 27. April 2012  (G-11/2520.Punkt 1 und 2)

Jetzt am Wochenende hieß es, noch vier Mal klatschen. Ich fürchte, bis wir zu einer endgültigen Entscheidung in Sachen Stadion kommen, dürfen wir noch erheblich mehr klatschen und wir wollen hoffen, dass wir auch immer etwas zu beklatschen haben. Freiburg und sein zukünftiges SC-Stadion, das ist eine „Liebe mit Hindernissen“, handelt es sich doch um eine weitreichende Entscheidung, bei der es eigentlich nur Gewinner und keinen Verlierer geben sollte. Ist der SC doch mit der Kultur und dem schönen Wetter der wichtigste Werbeträger unserer Stadt, scheiden sich bei der Frage Ausbau oder Neubau die Fangeister und nicht nur die. Eine ganze Stadt könnte gefragt werden, wenn die Entscheidung sich eines Tages zuspitzen würde auf zwei Alternativen. Aber so weit sind wir noch lange nicht und momentan findet die rege Bürgerdiskussion auf Bloggs, in Briefen und Stellungnahmen und in unzähligen Leserbriefen statt. Kaum ein Thema bewegt die Bürgerinnen und Bürger mehr mit so vielen Meinungen!

Vertragslaufzeit „Palazzo Colombino“

Rede zur Entscheidung „Palazzo Colombino – Palazzo Teatro o.ä.“ an die FWTM und die Vertragslaufzeit in der Sitzung des Gemeinderats am 27.3. (Vorlage G-12/022)

Die UL hat den Antrag gestellt, die Vertragszeit mit der FWTM auf drei Jahre zu begrenzen und die Stadt aufgefordert, nach alternativen Standorten zu suchen.

Der Antrag fand eine Mehrheit im Gemeinderat.

Kennen Sie den Unterschied zwischen Palazzo colombino und Palazzo Teatro? Mit dieser Frage sind wir schon mitten im Geschehen. Schade, dass wir diese Vorlage nicht im Aufsichtsrat der FWTM auf der Tagesordnung hatten, ich weiß, das muss nicht sein, aber wir reden dort inzwischen über soviele Dinge, die für Freiburgs politisches und gesellschaftliches Leben mehr oder weniger wichtig sind, auch das „Palazzo Teatro“ oder „Colombino“ ist nach 10 Jahren ein kontinuierlicher Bestandteil des winterlichen Freiburger Eventlebens geworden.  Leisten kann sich das übrigens nicht jeder. Die vorliegende Drucksache ist unserer Meinung nach ein inhaltlicher Schnellschuss, einseitig und suggeriert ein Wettbewerbsverfahren, das es in Wirklichkeit nicht geben kann, nicht an diesem Platz. Es handelt sich hier offensichtlich um einen kuriosen Wettstreit zweier Anbieter, die auch gleichzeitig die Erfinder dieses Labels sind und inzwischen eigene Wege gehen.

Papstbänke

An den
Oberbürgermeister der Stadt Freiburg
Herrn Dr. D. Salomon

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
sehr geehrte Damen und Herren,

wie aus der Badischen Zeitung vom 26.1. zu erfahren war, gibt es aus dem Bestand der ursprünglich 5000 Papstbänke, die seit Herbst zum Verkauf angeboten sind, noch circa 700 Bänke als Restposten und der Verkauf wird am 22.Februar eingestellt. Da die Stadt Freiburg meiner Meinung nach weiterhin ein großes Defizit an Sitzgelegenheiten auf öffentlichen Plätzen und Wegen/Straßen hat, die einfach nur zum Innehalten und Verweilen auffordern und nicht an Gaststätten oder Cafes angeschlossen sind, möchte ich Sie bitten, mit dem Ordinariat Freiburg und dem Erzbischof Verhandlungen aufzunehmen, dass die Stadt 50 Bänke von der Kirche geschenkt bekommt. Das hätte einen Gegenwert von 20.500 Euro. Meiner Meinung nach wäre das nur recht und billig, wenn die Stadt bei ihrem finanziellen Einsatz für den Papstbesuch einen solchen Gegenwert nach abgeschlossenem Verkauf durch die kath. Kirche geschenkt bekäme. Meine Recherchen haben ergeben, dass die Stadt Freiburg schon 10 Bänke angekauft hat  (für 5000.- Euro), die jetzt größtenteils in den Freiburger Ortsteilen stehen. Nebenbei wäre zu fragen, wer entschieden hat, wieviele Bänke durch die Stadt angekauft werden und wo diese heute stehen.

Atai Keller anlässlich der UL3-Auftaktveranstaltung am 18.1.2012 in der Galerie Schneider

Meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde,

Kultur braucht Räume und Bühnen zur Entfaltung, unter dieses auch nicht gerade neue Motto hat der Oberbürgermeister die wenigen Ausführungen zur Kultur in seiner Neujahrsrede gestellt und er sprach immerhin von der  Kulturstadt Freiburg. Angesprochen wurden E-Werk, Theater Freiburg, Kunstdepot und Augustinermuseum. Wieviel seine Ausführungen wert sind, weiß man spätestens nach seiner Erwähnung der Kulturhauptstadtbewerbung im letzten Jahr, die er dann im Juni so glorreich mit seinem Basta für sich beendet hat.

Aber meine Damen und Herren, genau das zeigt die Schwierigkeit auf, welche die Kulturpolitik in Freiburg aufweist. Es werden nur Dinge weiter auf den Weg gebracht, die ihren Anfang schon in den 80/90er Jahren nahmen (E-Werk-Sanierung nach 15 Jahren Wartezeit) oder die als Grundversorgung in Freiburg auch nicht mehr wegzudenken sind und von einem breiten bürgerlichen Kulturpublikum getragen werden (die Sanierung des verdienstvollen Stadttheaters und der durchaus sehr gelungene 2. Bauabschnitt Augustinermuseum).

Es fehlt eine mutige, ideenreiche und vor allem aktuell politische Ausrichtung in der Kulturpolitik, für die der Kulturbürgermeister schon lange nicht mehr den nötigen Spielraum hat. Und es sind nie große Würfe, die für die Stadt prägend sein könnten! Die momentane Kulturpolitik richtet sich nach Kürzungswellen auf die Verwaltung und Sicherung der berühmten Freiburger Vielfalt ohne etwas wirklich Neues anzustoßen. War die Ära Böhme durch Befriedung sozialer Bewegungen und dem Aufbau einer kulturellen Infrastruktur gekennzeichnet,  so wird die Ära Salomon gekennzeichnet sein, höchstens durch Erhaltung im Bestand und Konzentration der Verwaltung – will heißen – damals wurde noch gestaltet, heute wird nur noch verwaltet. Auch ein Ensemblehaus und ein Literaturhaus, so wichig sie sind, gehören da in eine Bestandssicherung.

Verkauf der Villa Mitscherlich vom Tisch

Hallo zusammen,

nachdem ich nun die Vorlage für den Gemeinderat bekommen habe, kann ich heute bereits freudig mitteilen, dass ein Verkauf der Villa Mitscherlich nicht mehr vorgesehen ist. Es hat sich wohl intern die Kulturverwaltung durchgesetzt. In dem 20 Seiten Papier zur „Veräußerung von Streubesitz und Übersicht der Streubesitzobjekte“ sind insgesamt 146 Objekte in städtischem Besitz aufgeführt, die in drei Kategorien unterteilt sind:

1. zeitnahe Vermarktung
2.keine Vermarktung
3.von der Bauverwaltung auf Innenentwicklungs-bzw Nachverdichtungspotential zu überprüfen.