Es ist kein schönes Begrüßungssignal für Touristen und kein Aushängeschild für die Stadt Freiburg: Das ehemalige ADAC-Gebäude am Karlsplatz, das der Freiburger Stadtbau gehört.

Leerstand Kunst
Von Imkerhüten bedeckt: Atai Keller und Brigitte von Savigny von der Kulturliste Freiburg wollen keinen Leerstand mehr.
Foto: Thomas Kunz

Das finden die beiden Stadträte der Kulturliste Freiburg, Atai Keller und Brigitte von Savigny. Deswegen plädieren sie mit ihrer Aktion „Leerstand Freiburg“ für einen temporären Kunstraum, der kulturellen Zwecken dienen soll.

Als Tourist hat man viele Möglichkeiten, in Freiburg anzukommen: Mit dem Auto über die Autobahn, mit dem Zug am Hauptbahnhof, mit einem Fernbus am Zentralen Omnibusbahnhof oder mit einem der Busse am Karlsbau. Um letzteren Ankunftsort ging es bei einer Aktion der Freiburger Kulturliste am Mittwoch. Mit dem Slogan „Leerstand Kunst“ machten die Mitglieder der Liste auf das seit 2013 leerstehende ehemalige ADAC-Gebäude am Karlsplatz aufmerksam.

Ungepflegte Beete, heruntergelassene Jalousien und herumstehende Gittertore: Nicht gerade ein schöner Empfang für die Touristen, die nach Freiburg kommen. „Dieser Ort ist ein Entrée für die Neuankommenden, da sollten sie auch seriös begrüßt werden“, sagt Kulturliste-Stadtrat Atai Keller. Deswegen startet er mit seinen Kollegen eine Stadtraum-Intervention: Das leerstehende Gebäude, das sich im Besitz der Freiburger Stadtbau befindet, soll kurzfristig als temporärer Kunstraum genutzt werden, an dem junge, zeitgenössische Kunst gezeigt wird. „Eine Art Zwischennutzung, wie es sie auch schon in anderen Räumen gibt“, so Keller. Kleiner Wermutstropfen für die Aktion: Seit kurzem sind die leerstehenden Büroräume von einer Produktionsfirma besetzt – allerdings nur vorübergehend. Wenn die Büros in zwei, drei Monaten geräumt werden, steht das Gebäude wieder leer.

Keller und seine Kollegen haben deswegen auch schon über eine mittelfristige Nutzung nachgedacht: Sie schlagen das Gebäude als Standort für das Freiburger Stadtmodell vor – ein Modell aus Holz im Maßstab 1:1000, an dem gerade gearbeitet wird. Architekt Benno Burgey, Vorsitzender des Stadtmodell-Vereins, ist angetan: „Das wäre ein Ort, der von uns gewünscht ist.“ Die Stadträte haben noch mehr Ideen: „Auch als Anlaufstelle und Showroom für das Stadtjubiläum 2020 wäre das Gebäude denkbar“, sagt Keller.

Wie die Freiburger Stadtbau zu der Idee steht, ist nicht bekannt – ein Ansprechpartner war am Mittwoch nicht zu erreichen. Noch vor kurzem sollte das Objekt für ein zentrales Mieterbüro genutzt werden. Nachdem sich Mieter jedoch skeptisch geäußert hatten, war die Nutzungsfrage wieder offen.

Erschienen am 20. August in der Badischen Zeitung
Autorin: Gina Kutkat
Foto: Thomas Kunz