LEERSTAND KUNST – BZ: Kulturliste Freiburg für kulturelle Nutzung des ehemaligen ADAC-Gebäudes

Es ist kein schönes Begrüßungssignal für Touristen und kein Aushängeschild für die Stadt Freiburg: Das ehemalige ADAC-Gebäude am Karlsplatz, das der Freiburger Stadtbau gehört.

Leerstand Kunst
Von Imkerhüten bedeckt: Atai Keller und Brigitte von Savigny von der Kulturliste Freiburg wollen keinen Leerstand mehr.
Foto: Thomas Kunz

Das finden die beiden Stadträte der Kulturliste Freiburg, Atai Keller und Brigitte von Savigny. Deswegen plädieren sie mit ihrer Aktion „Leerstand Freiburg“ für einen temporären Kunstraum, der kulturellen Zwecken dienen soll.

Als Tourist hat man viele Möglichkeiten, in Freiburg anzukommen: Mit dem Auto über die Autobahn, mit dem Zug am Hauptbahnhof, mit einem Fernbus am Zentralen Omnibusbahnhof oder mit einem der Busse am Karlsbau. Um letzteren Ankunftsort ging es bei einer Aktion der Freiburger Kulturliste am Mittwoch. Mit dem Slogan „Leerstand Kunst“ machten die Mitglieder der Liste auf das seit 2013 leerstehende ehemalige ADAC-Gebäude am Karlsplatz aufmerksam.

Ungepflegte Beete, heruntergelassene Jalousien und herumstehende Gittertore: Nicht gerade ein schöner Empfang für die Touristen, die nach Freiburg kommen. „Dieser Ort ist ein Entrée für die Neuankommenden, da sollten sie auch seriös begrüßt werden“, sagt Kulturliste-Stadtrat Atai Keller. Deswegen startet er mit seinen Kollegen eine Stadtraum-Intervention: Das leerstehende Gebäude, das sich im Besitz der Freiburger Stadtbau befindet, soll kurzfristig als temporärer Kunstraum genutzt werden, an dem junge, zeitgenössische Kunst gezeigt wird. „Eine Art Zwischennutzung, wie es sie auch schon in anderen Räumen gibt“, so Keller. Kleiner Wermutstropfen für die Aktion: Seit kurzem sind die leerstehenden Büroräume von einer Produktionsfirma besetzt – allerdings nur vorübergehend. Wenn die Büros in zwei, drei Monaten geräumt werden, steht das Gebäude wieder leer.

Keller und seine Kollegen haben deswegen auch schon über eine mittelfristige Nutzung nachgedacht: Sie schlagen das Gebäude als Standort für das Freiburger Stadtmodell vor – ein Modell aus Holz im Maßstab 1:1000, an dem gerade gearbeitet wird. Architekt Benno Burgey, Vorsitzender des Stadtmodell-Vereins, ist angetan: „Das wäre ein Ort, der von uns gewünscht ist.“ Die Stadträte haben noch mehr Ideen: „Auch als Anlaufstelle und Showroom für das Stadtjubiläum 2020 wäre das Gebäude denkbar“, sagt Keller.

Wie die Freiburger Stadtbau zu der Idee steht, ist nicht bekannt – ein Ansprechpartner war am Mittwoch nicht zu erreichen. Noch vor kurzem sollte das Objekt für ein zentrales Mieterbüro genutzt werden. Nachdem sich Mieter jedoch skeptisch geäußert hatten, war die Nutzungsfrage wieder offen.

Erschienen am 20. August in der Badischen Zeitung
Autorin: Gina Kutkat
Foto: Thomas Kunz

Stadtraum-Intervention der Kulturliste Freiburg:
 Das ehemalige ADAC-Gebäude – Am Karlsplatz 1

Einladung zu unserer Informationsveranstaltung am Mittwoch, 19. August 2015, 14.00 – 14.30 Uhr

Unsere Forderung:

Das ehemalige ADAC-Gebäude am Karlsplatz soll künftig kulturellen Zwecken dienen – nach jahrelangem Stillstand dürfen jetzt an dieser touristisch zentralen Stelle nicht Verwaltungseinheiten und Mieterbüros Einzug halten – zunächst kann ein ‚Kunst-Ort‘ die Neuankommenden in der Freiburger Innenstadt viel wirkungsvoller empfangen und ein positives Begrüßungssignal unserer Stadt sein!

Die Freiburger Stadtbau (FSB) besaß seit 2014 das Erbbaurecht an dem, bislang stadteigenen, Grundstück des ehemaligen ADAC-Hauses am Karlsplatz. Inzwischen erwarb die FSB das Grundstück hinzu. Das Gebäude steht seit mehreren Jahren leer.

Kürzlich wurden Pläne bekannt für die künftige Neunutzung des reizvollen 50er Jahre-Pavillons im Herzen der Freiburger Innenstadt – eben dort, wo tagtäglich Hunderte von Touristen aus den Bussen steigen: Die FSB wollte das Objekt als „Bürogebäude“ und, wie es hieß, „wohnungswirtschaftliches Kompetenzzentrum“ nutzen.
Damit wäre die Schließung der dezentralen Mieterbüros in den Stadtteilen verbunden. Nachdem sich umgehend Skepsis bei den betroffenen Mieter/innen erhob, scheinen sich die Absichten der FSB geändert zu haben: die Nutzungsfrage ist wieder offen.

Die KULTURLISTE FREIBURG meint:
 Warum gibt die Stadt Freiburg solch einen zentralen, ungemein werbewirksamen Ort auf? Hier dürfen nicht Büros Einzug halten! An dieser Stelle muss ein echtes Aushängeschild für Freiburg entstehen!
 Die lichten Räume mit barrierefreiem Zugang wären geradezu ideal

  • als Standort des von Architektenkreisen ohnehin in Vorbereitung befindlichen Freiburger Stadtmodells im Maßstab 1:1000 – der am besten geeignete Ausgangspunkt für jede Stadtführung!
  • und mittelfristig auch als Büro, Anlaufstelle und Showroom für das Stadtjubiläum 2020.

Bis dahin wünschen wir uns kurzfristig die Nutzung als temporären Kunstraum, an dem Ausstellungen junge zeitgenössische Kunst zeigen, im Wechsel kuratiert von den Freiburger Kunsteinrichtungen.

Für die KULTURLISTE FREIBURG – kult: Atai Keller, Dr. Brigitte von Savigny

Zum Wohl der Künstler/innen in der Stadt und Region – und ebenso der Gäste und Besucher/innen Freiburgs!

Neues Gutachten für den Meierhof (Amtsblatt vom 17.07.2015)

Wie wird sie gelobt, die Robert-Bosch-Stiftung wegen ihres finanziellen und planerischen Engagements für den Erhalt und Umbau der ehemaligen Kartaus in ein internationales Schulareal (UWC) – für die Lehrerhäuser schon weniger, die in der Landschaft stehen wie verlorene Legosteine. Nicht erst jetzt kommen Schatten auf: Es liegt der Verdacht nahe, dass bereits beim Kauf des Klosterareals intern bei der Robert-Bosch-Stiftung klar war, dass der historisch zum Ensemble gehörende Meierhof nicht erhalten werden soll.

Meierhof - Kartaus
Der Meierhof: Teilweise einsturzgefährdet. Was aus ihm wird, ist offen.
Foto: Ingo Schneider

Nach dem Auszug der letzten Mieter/ innen vor drei Jahren hat sich dementsprechend niemand um die Erhaltung der alten Substanz gekümmert, es wurde einfach nichts getan. Nun hat jüngst der Architekt der Stiftung(!) ein Gutachten vorgestellt, wonach die Substanz zu marode und der Erhalt zu kostspielig ist, – und dementsprechend hat die Denkmalbehörde ihr O.k. zu einem möglichen Abriss gegeben. Diesen Vorgang kennen wir in Freiburg.

Wir akzeptieren diese einseitige Begutachtung nicht. Wir fordern die Erstellung eines unabhängigen Gutachtens und den Erhalt des einmaligen Meierhofs als bauliches Dokument der gesamten Klosteranlage. Der Meierhof (18. Jh.) könnte der Stiftung gut als Tagungsort dienen! Die Stadt bezuschusst den Schulbetrieb mit 50000 Euro, die Robert-Bosch-Stiftung soll hier ihrer Verantwortung für Freiburgs Historie gerecht werden! Aktuell gibt es Neuigkeiten: Stadt und die Stiftung lassen sich auf ein weiteres Gutachten ein! Die Proteste und Leserbriefe hatten einen gewissen Erfolg. Hoffnung kommt auf!

Atai Keller
Stadtrat in der UL für die Kulturliste Freiburg – kult

Quo vadis Siegesdenkmal? – UL-Presseerklärung

Die Unabhängigen Listen fordern einen Aufschub der endgültigen Entscheidung über den zukünftigen Standort des Siegesdenkmals. Die Stadt argumentiert mit Zeitdruck und will bereits am 28. Juli eine Entscheidung. Die Unabhängigen Listen aber haben den Eindruck, dass sich OB und Baubürgermeister von einer öffentlichen Diskussion in der Sache nichts versprechen und sie deshalb für unnötig halten.

Siegesdenkmal

Foto: Screenshot Youtube
Video: User „Fichtenzaepfle“

Demgegenüber ist die UL der Auffassung, dass es sich bei dem endgültigen Standort des Siegesdenkmals im Rahmen der Neugestaltung des Platzes um eine wichtige Frage handelt, die vor einer Entscheidung des Gemeinderats öffentlich diskutiert werden sollte.

Während beispielsweise der Platz der alten Synagoge eine lange Planungsphase und eine umfangreiche BürgerInnenbeteiligung aufweisen kann, wurde die Planung des zukünftigen Platzes und Standortes „Siegesdenkmal“ weitgehend ohne BürgerInneninformation vorangetrieben. Eine Informationsveranstaltung und ein BürgerInnendialog hält die UL für einen solch zentralen städtischen Platz für unumgänglich, um eine breite Akzeptanz in der Bevölkerung und eine fundierte Entscheidung im Gemeinderat zu erzielen!

Atai Keller

Theatervorplatz schützen! – Amtsblatt 19. Juni 2015

Theatervorplatz schützen!

Wie weit geht der Gestaltungswille der Stadt am Platz der alten Synagoge? Die jüngste Debatte um die Außenbewirtung auf dem Theatervorplatz lässt stark daran zweifeln, dass es hier noch um eine Gesamtkonzeption der beiden Plätze geht, wie es ursprünglich im Architektenwettbewerb vorgesehen war. Nachdem die Wasservorhänge auf den Grünflächen vor dem Theater weggekürzt wurden, stand die Bauverwaltung auf dem Standpunkt, der Theatervorplatz gehört dem Theater, die Gestaltung ist Sache der Theaterleute.

Eine von der UL beantragte zusätzliche Summe für die Gestaltung des Vorplatzes wurde von der Mehrheit des Gemeinderats in den HH-Beratungen abgelehnt. Jetzt haben wir den Eindruck, es wird vom Theater munter weiter geplant, ohne sich der Gesamtverantwortung für den Platz richtig bewusst zu sein, und die Verwaltung hat das stillschweigend toleriert. Durch Bürgerinformation kam nun heraus, dass auf dem Vorplatz eine Außenbewirtung von 150 Plätzen und ein Glashaus beim Baurechtsamt beantragt wurden. Der bauliche Eingriff in die Platzgestaltung wäre fatal!

Der Antrag ist inzwischen zurückgenommen worden, und es soll Gespräche mit den Beteiligten geben. Dazu mahnen wir an: Es kann nicht sein, dass der Platz der alten Synagoge von Bewirtung frei bleiben soll und der Theatervorplatz eine Gastro-Zone wird! Die beiden Plätze werden von der Straßenbahn durchtrennt, das ist schlimm genug. Die Einheit jedoch der gesamt-räumlichen Gestaltung als größter Innenstadt-Platz mit stadtgesellschaftlicher Relevanz muss gewahrt bleiben, zusätzlich ist der Theatervorplatz unserer Meinung nach in seiner historischen Prägung erhaltenswert. Die Passage P 46 ist ein sinnvoller Gastro- und Foyerbetrieb mit gelegentlichen Kunst- und Musikdarbietungen im Bauch des Stadttheaters, dazu wurde die Passage bereits mit erheblichen städtischen Mitteln erweitert!

Atai Keller
Stadtrat in der UL für die Kulturliste Freiburg – kult

Presseerklärung zur Benennung von Barbara Mundel zur Kuratorin zum 900jährigen Stadtjubiläum 2020

Sehr geehrte Damen und Herren der Badischen Zeitung,

die Kulturliste Freiburg begrüßt die Ernennung von Barbara Mundel zur Kuratorin für die Vorbereitung und Durchführung des Jubiläumsjahres 2020. Barbara Mundel hat den nötigen integrativen Weitblick, die künstlerische Kompetenz und die kulturelle Erfahrung, dieses bedeutende Stadtereignis in gebotener Offenheit allen Sparten, Themen und auch den unterschiedlichen Bevölkerungskreisen gegenüber zu starten. Ob als Stabsstelle beim Oberbürgermeister oder in einer eigenen organisatorischen Einheit, das hätten wir gerne noch offen gehalten.

Wir hätten uns auch eine andere Vorgehensweise gegenüber dem Gemeinderat gewünscht. Gerade aus den Reihen der Kulturliste war in der letzten Zeit die Forderung erhoben worden, jetzt das Jubiläum zu thematisieren, und die Vorbereitungen in diesem Jahr anzugehen. Eine solche Personalie hätte jedoch vorher besser in einem Gespräch mit allen Fraktionen und Gruppierungen von der Kulturverwaltung angesprochen werden sollen, um den ganzen Gemeinderat mitzunehmen.

So sind wir doch von der schnellen personellen Entscheidung überrascht worden und bitten deshalb die Stadtverwaltung, den gesamten Vorbereitungsprozess zum Stadtjubiläum 2020 im nächsten Kulturausschuss am 2. Juli auf die Tagesordnung zu setzen. Wir wollen keineswegs bis zum Sommer 2017 – dem Ende von Barbara Mundels Theaterleitung – warten bis die Vorbereitungen anlaufen. Ganz im Gegenteil: Unserer Meinung nach soll jetzt schon mit einer Stärke/Schwächeanalyse der Stadt begonnen und der Prozess von Themenfindungen des Jubiläumsjahres angegangen werden. Die rasche Bündelung aller Aktivitäten durch eine kompetente Führungsfigur erscheint uns zu diesem Augenblick richtig und sinnvoll. Weitere Schritte müssen jetzt jedoch zeitnah in Richtung des zukünftigen Gesamtkonzeptes und der finanziellen Absicherung erfolgen.

Atai Keller
Sprecher der Kulturliste Freiburg
und Stadtrat für die Kulturliste Freiburg – kult – in der UL

Haushaltsrede von Atai Keller am 28. April 2015

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
sehr geehrte Frau Bürgermeisterin, die Herren Bürgermeister,
liebe Kolleginnen und Kollegen,
liebe Zuhörerschaft auf der Tribüne,

Claus Peymann, der altverdiente Theaterdirektor des Berliner Ensembles hat unlängst einen großen Kulturdonner in der Hauptstadt hervorgerufen, als er den zuständigen Berliner Kulturstaatssekretär einen Lebenszwerg nannte und ihm damit jegliche kulturelle und künstlerische Befähigung absprach. Alexander Dick vom Feuilleton der Badischen Zeitung stellte dann in seinem Kommentar die provokante Frage, sind wir nicht alle etwas Lebenszwerge? Er meint damit, die immer weiter grassierende Unfähigkeit zum Dialog aufgrund mangelnden Kulturverständnisses und verstellter Lebenseinsichten. Ich möchte die Zwergenforschung hier nicht weiter fortsetzen, möchte aber daran erinnern, dass das Verhalten der Stadtspitze und auch von manchen Gemeinderäten gegenüber der wohnungspolitischen Initiative der verdienten Herren aus der ehemaligen Verwaltung alles andere als dialog-freundlich war und ist.

Noch sitzt der Schock tief über die sinnlose Fusion zweier so unterschiedlicher SWR-Orchester und wir alle können noch nicht recht ermessen, was der Verlust des SWR-Orchesters Freiburg/Baden- Baden für die Musikstadt Freiburg wirklich bedeutet. Das war von den Verantwortlichen kulturfeindlich und eine Zwergentat. Hier hätte die Stadt früher vorangehen müssen! Auch das gehört in eine Haushaltsrede,
meine Damen und Herren!

Es ist nicht zu übersehen, dass die Stadtverwaltung in ihrem Haushaltsentwurf keine institutionellen Erhöhungen für Kultureinrichtungen berücksichtigte. Lediglich da, wo das Land es zur Bedingung machte, zog die Stadt mit und erhöhte den Zuschuss (beim Barockorchester, Baltasar Neumann-Chor und Orchester und beim Jazzchor). In dieser Reihe gibt es für den nächsten Haushalt das Ensemble Recherche und das Theater Panoptikum vorzumerken!
Die Sanierung des Stadttheaters ist inzwischen erfolgreich abgeschlossen und die Sanierung des Augustinermuseums schreitet mit dem 2. und dann mit dem 3. Bauabschnitt voran. Gerade jedoch in Freiburg ist die Vielfalt der Kulturgruppen und Einrichtungen das Alleinstellungsmerkmal, welches von keiner anderen Stadt dieser Größenordnung übertroffen wird. Unsere Aufgabe ist es, diese vielen Einrichtungen auszustatten und zu stabilisieren, was uns inzwischen auch ganz gut gelungen ist. Die stille Beendigung des Crashs durch die Verwaltung – wenn auch erst in fünf Jahren –  musste zwangsläufig am Gemeinderat scheitern, Herr 1. Bürgermeister. Das Crash ist eine wichtige Einrichtung für die Stadt – entstanden am Ende der bewegten 8oer, es wird ab jetzt sogar soziokulturell bezuschusst wird, was wir sehr begrüßen.
Dank des inzwischen kulturell immer mehr aufgeschlossenen Gemeinderats gibt es jetzt ein eigenes kleines Theaterhaus im Kulturpark für die Theaterszene, welches im Herbst eröffnet. Nächstes Jahr wird in der Innenstadt das Literaturhaus Freiburg eröffnet, welches dann zwar in einem 60% zu 40% Raum-Takt mit den fast vergessenen studentischen Theatergruppen arbeiten muss und auf eine Literaturgaststätte und die Nutzung des Uni-Innenhofs noch warten muss, aber dennoch wird die Literatur- und Übersetzerszene dadurch eine enorme Aufwertung erfahren. Im Übrigen zeichnet sich Freiburg dadurch aus, dass es immer wieder für neue Initiativen Raumangebote gibt, zuletzt geschehen beim Artik in der Unterführung des Siegesdenkmals, ja meine Damen und Herren, da sind wir in der Pflicht für einen Ersatzraum, – der Kontinuität wegen haben wir ja auch dort den Zuschuss erhöht.

Es ist nun das eingespielte, aber nicht zwangsläufige Verfahren zwischen Verwaltung und Gemeinderat, dass der Gemeinderat in der zweiten und dritten Lesung eigene Akzente setzen kann und dort finanziell nachbessert, wo es ihm per Mehrheit wichtig erscheint. Es ist aber keineswegs ausgemacht, dass inzwischen alle Erhöhungen im institutionellen Kultur-Bereich durch den Gemeinderat vorgenommen werden. Ich würde mir für die Zukunft wünschen, die Verwaltung könnte sich endlich über Parteigrenzen hinweg zu mehr Engagement auf dem Gebiet der Kunst und Kultur durchringen und mal einen eigenen großen Projekte-Vorschlag machen. Die Stadthalle am alten Messplatz für die Musik und das Reinhold Schneider Haus in der Wiehre für Kunst und  kulturelle Begegnung bieten wirklich genug Felder, mit denen neue kulturelle Akzente gesetzt werden könnten. Der Oberbürgermeister selbst hat  am letzten Sonntag bei der Eröffnung der 1. Russischen Kulturtage beispielhaft die Bedeutung von Kultur für gesellschaftliche Prozesse deutlich gemacht.
Der Gemeinderat hat in der 2. Lesung deutliche Erhöhungen im Kulturbereich beschlossen, die für viele Einrichtungen eine weitere Absicherung bedeuten, wie zum Beispiel beim Centre Culturel Francais oder beim Carl Schurz Haus, beim Wallgrabentheater, bei der Fabrik oder auch beim Kinder- u. Jugendtheater. Auch gibt es einige Neuanträge, die berücksichtigt werden konnten, wie zum Beispiel das Depot k oder das Theater die Immoralisten oder das Cargo Theater. Das sind wichtige Schritte für die Planungssicherheit der Gruppen. Die Film und Medienszene (Schwulen- und Lesbenfilmtage) wurde verbreitert und institutionell aufgewertet. Leider sind weiterhin für keine Sparte die pauschalen Fonds erhöht worden, obwohl gerade diese von einer Vielzahl von Gruppen beantragt werden und nicht ausreichen. Da würden die Unabhängigen Listen gerne mal im Fachausschuss eine genaue Analyse beantragen. Warum der Kunstverein in der 2.Lesung nicht erhöht werden konnte, wird ein grün/schwarzes Geheimnis bleiben. Und auch die Rock/Pop und Jazzszene sollte von uns eine größere Beachtung erfahren, auch wenn doch einige von uns die Clubs inzwischen nicht mehr regelmäßig besuchen.

 

Liebe Kolleginnen und Kollegen, jetzt hoffen wir auf Ihre Zustimmung für ein paar wenige Anträge in der dritten Lesung, die uns besonders wichtig sind und die eindeutige Zeichen setzen. Und da komme ich zur Kunst im öffentlichen Raum.

Kunst im öffentlichen Raum, meine Damen und Herren, muss für Freiburg in seiner neuen Bautätigkeit, der Innenstadterweiterung und in der fortschreitenden Stadtentwicklung ein Thema sein. Wir können nicht nur von unseren Denkmälern aus vergangenen Jahrhunderten leben und über deren Versetzung debattieren oder von den wenigen Ankäufen aus dem 20. Jahrhundert zehren, wie der Liegenden von Henry Moore oder dem Wasserhahn von Claes Oldenburg oder dem bis heute nicht wieder aufgestellten Wandbild von Horst Antes. Wir müssen selbstbewusst auch in diesem Bereich Akzente setzen und den öffentlichen Raum als gesellschaftlichen Raum begreifen.  Platzgestaltung und Ringgestaltung sollten auch von der inzwischen eingerichteten Kunstkommission bewertet werden. Diese Kunstkommission ist eine große Errungenschaft für die Kunst, aber auch für die Stadtentwicklung! Sie muss jetzt entsprechend eingesetzt werden.
Ein umfangreicher Antrag neben anderen Anträgen hofft nun besonders in der dritten Lesung noch positiv beschlossen zu werden, wenn auch reduziert: Die Kunst am Bau am neuen Rathaus, die zudem vom Architekten des neuen Rathauses Christoph Ingenhoven im Bauausschuss in der Beschlussphase ausdrücklich befürwortet wurde .

Meine Damen und Herren! Ich zeige Ihnen hier die Jubiläumsschrift, die Freiburg anlässlich seiner 8oo Jahresfeier im Jahre 1920 herausgebracht hat. Darin beschwert sich der Verfasser Prof. Dr. Peter Albert, ein Stadtarchivrat, unter anderem, dass er zu wenig Zeit hatte, eine ausführliche und in allen Bereichen ergiebige Darstellung von Freiburg zu verfassen.  Warum ergreifen wir nicht jetzt die Gelegenheit des Stadtjubiläums in 4 ½ Jahren, um uns an einen ganzheitlichen Plan der Stadt zu machen.  Wie soll unsere Stadt zukünftig aussehen, was wollen wir im Jubiläumsjahr 2020 und in den Jahrzehnten danach  vorweisen, wo liegen unsere Stärken und Schwächen, welche Projekte sind bis dahin realisierbar und wie beteiligen wir die Bevölkerung an diesem ganzheitlichen Prozess? Es fehlt aktuell ein gemeinsamer Plan der baulichen, gestalterischen, sozialen, kulturellen und ökologischen Entwicklung, es fehlt eine Vision von green city und art city in sozialer Ausgewogenheit. Wir müssen die Lust an Kunst und Kultur für jedermann/jedefrau fördern und mögliche Barrieren abbauen. Die beschlossene Kulturloge von KulturWunsch Freiburg e.V. ist ein Baustein, das heute zu beschließende Sozialticket ist ein weiterer Baustein, dem noch viele folgen müssen. Das Freiburger Kulturkonzept, aufgelegt im Mai 2009, war bahnbrechend zu seiner Zeit. In diesem Konzept ist die Stadt von morgen mit breitem Kulturbegriff bereits angelegt, sind die Grundzüge einer neuen Stadtentwicklung bereits verankert, ist die offene Stadt propagiert. Die Interkultur nimmt schon damals einen großen Stellenwert ein, der sich ständig erweitern muss. Ganz im Sinne dieses Konzepts könnte jetzt ein neues Konzept entstehen:
das FREIBURG KONZEPT!

Atai Keller – Stadtrat für die Kulturliste Freiburg in der UL

Anträge 2015/16: Bleiben Bildende Kunst und Architektur auf der Strecke?

Wenn der Gemeinderat ab dem 23.3. in 2. Lesung den Doppelhaushalt 2015/16 berät, dürfen sich einige kulturelle Einrichtungen und Projekte berechtigte Hoffnungen machen, dass ihre Erhöhungsanträge positiv beschieden werden. Wir und die anderen Fraktionen haben eine Fülle von Anträgen im Kulturbereich gestellt. Das war nicht immer so und zeugt davon, dass inzwischen die Vielfalt der Kulturszene und die Sorge um deren einigermaßen Auskommen breite Kreise der Politik in der Stadt erreicht haben.

Doch auffällig ist, dass sich bisher keine Mehrheiten abzeichnen für den Kunstverein in seiner herausragenden Position, das Depot K, das in der letzten Zeit viel von sich reden macht, das T66 im Geigesturm, und die Künstlerwerkstatt im L6, in der über die Jahre Tausende von Druckgrafiken entstanden sind. Ein Etat für die neu eingerichtete Kunstkommission ist nicht in Sicht, die Kunst am Bau für das neue Rathaus, vollmundig von allen Fraktionen für diesen Haushalt angekündigt, fehlt momentan ebenso bei den anderen Fraktionsanträgen wie auch die nur von uns beantragen Mittel für eine Gestaltung des Theatervorplatzes. Das Trinationale Architekturfestival wurde von keiner anderen Fraktion aufgenommen und auch der Antrag des Architekturforums fand nur bei uns ein positives Echo. Bildende Kunst in Freiburg ist also eine Kunst-Sparte, die ein Nebengleis-Dasein führt und offensichtlich keine Lobby in der Stadt hat. Es ist eine gesellschaftliche Frage, wieviel der Stadt die Gestaltung ihrer Plätze und Gebäude wert ist, wieviel der Stadt die Kunst im öffentlichen Raum wert ist und vor allem, wieviel in zeitgenössische Kunst und in deren Einrichtungen investiert wird. Hoffentlich bewegt sich noch was bei den Ratsmitgliedern! Zeit bleibt, die 3. Lesung ist erst am 28. April!

Atai Keller
Stadtrat in der UL für die Kulturliste – kult –

 

Hinweis: Sozialticket für Freiburg! Alle großen Städte in Ba-Wü haben eins – nur wir nicht. Das soll sich ändern. UL-Veranstaltung am 25.3.um 19.ooh, LzPB, Bertholdstr.55, mit Hannes Rockenbauch (S21) u.a.

Rheinhold-Schneider-Haus

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Anhänger Reinhold Schneiders und der
Initiative für den Erhalt seines Freiburger Wohnhauses,

jetzt freuen wir uns, gleich zwei Abende zum Thema ‚Reinhold-Schneider-Haus‘ ankündigen zu können:

Am nächsten Montag (09. März)
spricht Prof. Dr. Ludger Lütkehaus über
„Ein Haus für Reinhold Schneider! Der späte Schneider und sein Erbe“
um 20.15 Uhr im Hörsaal 1015 im KG I der Universität.

Am Montag der folgenden Woche (16. März) ist die große Veranstaltung
„Reinhold-Schneider-Haus: Ost und Westliches Gelände – Treffpunkt der Kulturen“
mit hochprominenten Teilnehmern, mit Lesung, Vortrag und Podiumsgespräch
um 20 Uhr im Wintererfoyer des Theaters.

Es wäre gut, Sie kämen alle zahlreich
und würden auch kräftig die Werbetrommel rühren.

Herzliche Grüße,

Initiative für den Erhalt des Reinhold-Schneider-Hauses
Günter A. Buchwald, Martin Flashar, Bille Haag, Traute Hensch,
Atai Keller, Jürgen Lodemann, Mathilde Nettelbeck, Uwe Pörksen